Wenn Chatten gut fürs Bloggen ist und Google Schicksale rettet

10.
February
2:06 am Uhr

Wie einigen von euch vielleicht aufgefallen ist, war hier die letzten Tage nicht viel los. Das lag in erster Linie daran, dass sehr viel wirkliche Arbeit zu erledigen war. Aber so eine blogfreie Phase ist manchmal gar nicht schlecht - sowohl um den literarischen Akku aufzuladen, als auch um Dinge zu erleben, über die es sich zu bloggen lohnt. Hier nun also eine Geschichte von einer jungen Frau in einer prekären Situation…

Die junge Frau möchte unerkannt bleiben, weshalb ich sie unkenntlich machen und “Jen Y.”, oder einfach “Jen” nennen werde. Für die Visualisierung: Sie trägt eine schlecht sitzende rote Perücke, eine 80er-Jahre Porno Sonnenbrille und ein ausgestopftes Oberteil mit einer nennenswert ausgepolsterten Oberweite. Sie raucht eine Zigarette mit damenhaftem Mundstück und blickt paranoid um sich.

Wann ich das erste mal auf Jen traf, kann ich heute nicht mehr genau sagen. Jedenfalls liegt es schon einige Jahre zurück. Unsere Bekanntschaft war rein virtueller Natur, was wir auch nie änderten, allerdings konnte ich jederzeit auf ihre Talente als Schreiberin und Designerin zurückgreifen. Da sie obendrein auch bei allgemeinen Themen mit Scharfsinnigkeit und Wortwitz glänzen konnte, schätzte ich sie also mehr und mehr - bis sie eines Tages nach einer relativ belanglosen Chatdiskussion ohne weiteren Kommentar verschwand.

Ich war natürlich verwundert, hatte allerdings keinerlei Anhaltspunkte, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ich nahm es also hin wie es war und hörte irgendwann auf, darüber nachzudenken. Die Zeit verging und Jen war längst vergessen, als sie plötzlich auf dem Hamburger Bahnhof vor mir stand. Verwahrlost, alleine und ohne jede Chance, ihre mentalen Talente jemals wieder gewinnbringend einsetzen zu können. Sie berichtete, sie hätte durch einen einzigen Fehler einen wichtigen Geschäftstermin versaut, der die Firma den Auftrag und sie ihren Arbeitsplatz gekostet hat. Dadurch konnte sie ihre Rechnungen nicht mehr zahlen, hatte erst kein Telefon und Internet mehr und war dann anschließend aus der Wohnung geflogen…

Jen wirkte den Umständen entsprechend etwas zerfahren, sie redete wirres Zeug von einer Diskussion, die wir mal im Instant Messenger geführt hatten. Ich wusste nichts damit anzufangen und ging meines Weges, bis ich Abends noch einmal über die Situation nachdachte und folgende Diskussion aus den Logs herauskramte:


Sie: groupwise. das client-ding. das hamwa auffer arbeit und ich dachte mir, ich lad das zuhause ma runter. vielleicht könnt ichs hier auch benutzen. bla.also habbichs installiert. ging natürlich nix, weil ich keinen plan hatte, wie ich das konfigurieren soll, etc. jedenfalls wollt ich vorhin outlook aufmachenda will der sich mit dem groupwise server verbinden. was natürlich nich geht, weil der nich konfiguriert is und ich auch nich weiß, wie. und wenn man die konfiguration abbrach, ging outlook auch direkt wieder zu. also habbich gedacht… nimmse groupwise wieder runter.ich also deinstalliert. und wennich nu outlook aufmach, kommt “die gw(blabla).dll konnte nicht gefunden werden”. und dann gehts wieder zu.was zur Hölle soll ich jetz machen??Ich: Die Datei besorgen.Ich: Oder erstmal nach der Fehlermeldung googlen.

Sie: die fehlermeldung wegen der fehlenden Datei kam doch nur, weil ichs deinstalliert hab. also groupwise. und aus irgendwelchen gründen will outlook plötzlich mit groupwise “zusammenarbeiten”. aber ich hab auch schon wieder groupwise neu installiert. und das bringt mir ja nix. dann kommt zwar keine fehlermeldung wegen ner Datei, sondern der will sich wieder per groupwise verbinden. das GEHT aber nich, weil ich das doch nich richtig konfigurieren kann.

Ich: Ja.

Ich: Google nach der Fehlermeldung.

Sie: maaaa.

Sie: die kommt doch jetz gar nich mehr, mann.

Ich: Dann deinstalliere es wieder.

Sie: !?

Ich: Deinstalliere Groupwise (denn das wolltest du), reproduziere so die Fehlermeldung und dann google danach.

Sie: aber warum soll ich nach der fehlermeldung googlen. das macht doch keinen sinn.

Sie: ich will wissen, wie ich outlook wieder “zurücksetzen” kann, ohne in den optionen zu wuseln. weil da komm ich ja nich dran, weils sofort wieder zu geht.

Ich: Man. Das macht Sinn! Und anstatt Stunden über Sinn und Unsinn zu diskutieren, solltest du es einfach tun. Wenn der Fehler öfter als bei dir aufgetreten ist, hat irgendwer in irgendnem Forum dieses Problem auch schon mal gehabt und es korrekter Weise mitsamt Konfiguation und Fehlermeldung irgendwo gepostet. Und dann kannst du davon ausgehen, dass es dort gelöst wurde.

Ich: Das ist Problemlösungs-Schema F.

Ich: :)

Sie: es gibt für groupwise aber keine musterkonfigurierung

Sie: auffer arbeit sind wir mit unserm server da verbunden

Sie: und da ich davon keine daten kenne, kannich mich damit auch nich verbinden

Sie: und überhaupt.

Ich: Ja, dann lös das Problem halt nich.


Ja, das Leben ist nicht immer fair und manchmal haben kleine Nachlässigkeiten bedeutende Konsequenzen…Glücklicherweise war der Ausgang der Geschichte eben erstunken und erlogen. In der wirklichen Welt ging der Chat nämlich noch etwas weiter:
Sie: es gibt für groupwise aber keine musterkonfigurierungSie: auffer arbeit sind wir mit unserm server da verbundenSie: und da ich davon keine daten kenne, kannich mich damit auch nich verbinden

Sie: und überhaupt.

Ich: Ja, dann lös das Problem halt nich.

Sie: “Ihre Standard-Email-Ordner können nicht geöffnet werden. Ein unerwarteter Fehler ist aufgetreten. Der Informationsdienst “gwmsp1.dll” kann nicht geladen werden. Überprüfen Sie, ob der Dienst installiert und konfiguriert ist.”

Ich: http://google.de/search?hl=deq=Der+Informationsdienst+%22gwmsp1.dll%22+kann+nicht+geladen+werden

Ich: Ich hasse dich.

Sie: ich liebe dich.


Fazit:Jen geht es gut und jeder kann daraus seine eigenen Lehren ziehen. Zum Beispiel, dass themenfremde Geschichten auf SEO Blogs immer Linkbait sind, oder dass man Jen auch eine andere Perücke hätte geben können, um es anschaulicher zu gestalten…

Aber meine Intention war es, all jenen Suchmaschinen-Verweigerern zu zeigen, wie einfach sich manche Probleme am Rechner lösen lassen, wenn man einfach mal an der richtigen Stelle nachfragt.Somit rettet Google nicht nur Schicksale, sondern ich hab auch gelernt, dass chatten hin und wieder auch Inhalte zum verbloggen liefert.

Fühlt euch frei, diesen Artikel zu yiggen oder zu webnewsen.

Ach ja, sollte Google die Lösung des Problems mit der gwmsp1.dll jemals aus unerfindlichen Gründen wegspülen… Hier findet ihr den Weg, um das Problem mit Outlook und Groupwise zu beheben.

Und noch ein weiterer kleiner Software Tipp: Hier könnt Ihr StarOffice kostenlos downloaden.

Schönen Abend

Kommentare (1 Kommentar)


Elias / February 11th, 2007, 4:50 pm / #

Ich sags ja immer wieder: “Google is your friend”.
Guter Beitrag, bin fast drauf rein gefallen. ;)

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